Die Territoriale Aggression

Territoriale Aggression
Hier wache ich!

Wie der Name es schon vermuten lässt, verteidigt der Hund bei der territorialen Aggression sein Territorium oder zumindest den Bereich, den er dafür hält. Das kann die Wohnung, das Haus oder auch gerne das komplette Grundstück samt Garten sein.

Hunde sind von Natur aus territorial. Es liegt ihnen in den Genen, eigene Reviere abzustecken und diese mehr oder weniger vehement gegen Eindringlinge zu verteidigen. Eine Eigenschaft, die maßgeblich dafür gesorgt, hat, dass der Mensch angefangen hat, Hunde bzw. irgendwann vor ca. 15.000 Jahren einmal Wölfe, zu domestizieren: Sie sollten vor Eindringlingen warnen und diese fernhalten.

Genau wie bei der Angstaggression geht es auch hier nicht vornehmlich darum, den Eindringling tatsächlich zu verletzen oder gar zu töten. In erster Linie geht es darum, das Rudel zu alarmieren und den Eindringling zu stellen (durch Festhalten) oder zu verjagen (durch Vor-sich-her-Treiben). Ein „Festhalten“ am Arm oder ein Schnappen in die Waden können aber dennoch zu durchaus schmerzvollen Wunden führen. Und auch hier spielt die Größe des Hundes eine entscheidende Rolle!

Man sollte sich als Halter eines großen Hundes also gut überlegen, inwieweit man seinen Vierbeiner in die Bewachung der eigenen vier Wände einbeziehen möchte! Denn eines sollte man sich bewusst sein: Ein Hund unterscheidet nicht, welcher Eindringling aus Menschensicht harmlos und welcher gefährlich ist. Ob es sich dabei nun um den siebenjährigen Nachbarsjungen handelt, der über den Zaun geklettert kommt, weil er seinen Fußball über die Hecke geschossen hat, oder ob es ein erwachsener fremder Mann ist, der uneingeladen das Grundstück betritt – ein Hund, dem gewollt oder ungewollt die Aufgabe erteilt worden ist, den Türsteher zu geben, wird beide stellen, ungeachtet dessen, ob es sich bei ersterem „nur“ um ein Kind handelt!

Umgang mit Territorialer Aggression

Dass ein Hund sein Territorium bewacht, ist an sich ja nichts Schlimmes. „Wofür hat man sonst Hunde?“, wird der ein oder andere sagen. Der entscheidende Faktor ist also das Verhalten, dass der Hund zeigt, wenn er einen Eindringling ausmacht.

Du solltest deinem Hund klar machen, dass er zwar Bescheid geben darf, sobald er einen Eindringling bemerkt, du selber aber letztendlich die Entscheidung triffst, wer dein bzw. euer Grundstück betreten darf! Und mit „klar machen“ meine ich jetzt nicht, es ihm mit Gewalt oder vehementer Dominanz einzubläuen! Wie bereits in meinen anderen Beiträgen über Aggression beim Hund erwähnt, ist Gegenaggression so ziemlich die dümmste Methode, sich einem solchen Problem zu nähern!

Ironischerweise neigen wir Menschen aber allzu oft genau dazu! Weil wir unsere Position als „Alpha-Tier“ ja unbedingt unter Beweis stellen müssen. Was, nebenbei bemerkt, mal absoluter Blödsinn ist!

Was kannst du also stattdessen tun?

Angenommen es klingelt an der Haustür und dein Hund stürmt laut bellend darauf zu und benimmt sich, als würde er jeden, aber ausnahmslos jeden, auf der Stelle umbringen, sollte er es wagen, auch nur einen Schritt über die Schwelle zu setzen.
Eine fantastische Möglichkeit, sich Besuch jeglicher Art für lange Zeit vom Hals zu halten.

So mancher Hundehalter lässt sich an dieser Stelle auf regelrechte Ringkämpfe mit seinem Vierbeiner ein, in denen es darum geht, sich an dem Hund vorbei an die Tür zu drücken, diese zu öffnen und weiterhin mit vollem Körpereinsatz den Hund davon abzuhalten, selber durch die Tür zu gelangen. Je nach Größe des Hundes mag das ja funktionieren.

Einfacher und auf Dauer entspannter läuft es, wenn du deinem Hund beibringst, beim Klingeln nicht zur Tür, sondern zum Beispiel auf seine Decke oder in seine Box zu gehen.
Auch wenn er im ersten Moment trotzdem bellend zur Tür läuft, trainiere mit ihm ein Signal wie „Box“ oder „Decke“ und schick ihn weg. So kannst du ganz entspannt zur Tür gehen, diese öffnen, die Post entgegennehmen oder den Besuch reinbitten. Dein Hund wartet auf dem ihm zugewiesenen Platz bis du ihm ein entsprechendes Aufhebe-Signal gibst.

Dein Hund lernt dadurch direkt mehrere Dinge:

  1. Ich habe vor Gefahr gewarnt (durch Bellen) und mein Mensch hat darauf reagiert.
  2. Es ist nicht meine Aufgabe, den Besuch abzuchecken, oder zu entscheiden, wen wir reinlassen und wen nicht. Darum kümmert sich mein Mensch.
  3. Mein Mensch ist die ganze Zeit ruhig und souverän und es ist nichts Schlimmes oder Bedrohliches passiert. Ich brauche mich also nicht aufzuregen.

Klingt nach einer Win-Win-Situation, oder?
Und alles wieder einmal ohne Geschrei und Gezeter, Schubsen, Treten oder Zerren!

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