Was wir aus der Krise lernen können

Nachdenklich in der Krise
Wir sind sehr nachdenklich in diesen Tagen…

Wir schreiben das Jahr 2020. Die Corona-Krise hat Deutschland fest im Griff. Seit fast zwei Wochen herrscht Kontaktsperre hier bei uns in NRW. Die Schulen und Kitas sind geschlossen, ebenso wie alle Restaurants, Kneipen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Friseure. Im Grunde hat jeder Laden geschlossen. Lediglich Baumärkte, Tankstellen, Tierfuttergeschäfte, Apotheken, Drogeriemärkte, Bäcker und Supermärkte sind noch geöffnet. Die Innenstädte wirken wie ausgestorben. Die Menschen sind angehalten, zu Hause zu bleiben. Sozialkontakte sind untersagt bzw. auf ein absolutes Mindestmaß zu beschränken. Keine Eisdielenbesuche, kein nettes Zusammensitzen mit Freunden, keine Grillabende.

Die Gefahr, sich oder andere mit Covid-19 zu infizieren, ist allgegenwärtig. Wir fahren nicht mehr zu unseren Eltern, nicht mehr zu unseren Freunden, zu unseren Großeltern schon gar nicht, viele von uns nicht einmal mehr zur Arbeit. Plötzlich ergeben sich ganz neue Herausforderungen: Wohin mit den Kindern, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind? Wer soll auf sie aufpassen oder den ganzen Tag beschäftigen? Viele Familien sind es schlichtweg nicht gewohnt, über einen so langen Zeitraum, praktisch rund um die Uhr beisammen zu sein. Plötzlich sind Mama und Papa im Homeoffice oder fürchten um ihren Job, die Kinder dürfen nichts mit ihren Freunden unternehmen, sollen möglichst im Haus bleiben. Da sind die ersten Konflikte vorprogrammiert.

Vielen Unternehmen ist von heute auf morgen die komplette Geschäftsgrundlage weggebrochen. Ganze Branchen fürchten um ihre Existenz. Tausende von Selbstständigen und Kleinunternehmern wissen nicht, wie lange sie diesen Shutdown durchhalten werden. Denn niemand vermag vorherzusehen, wie lange es nötig sein wird, um die Infektionsrate so lange wie möglich so gering wie möglich zu halten.

Fest steht: Wir befinden uns noch ganz am Anfang dieser Pandemie. Was passieren kann, wenn wir die Lage unterschätzen, das hören und sehen wir jeden Tag in den Nachrichten, wenn von den katastrophalen Zuständen in Italien oder Spanien berichtet wird. Auch wenn uns die Einschränkungen des täglichen Lebens aktuell noch mehr lästig als wirklich notwendig erscheinen – wenn die Hochrechnungen stimmen, werden wir uns glücklich schätzen können, wenn wir am Ende diesen Jahres keinen geliebten Menschen verloren haben.

Was also tun, um angesichts dieser Zukunftsaussichten nicht den Verstand zu verlieren?

Wohl dem, der jetzt einen Hund hat!

Jeden Tag das Haus oder die Wohnung mehrmals verlassen zu müssen, kann in einer solchen Ausnahmesituation ein wahrer Segen sein. Der eigene Hund und seine Grundbedürfnisse nach Beschäftigung und Auslauf kommen da wie gerufen. Einfach mal rauskommen, spazieren gehen, durchatmen. Den Kopf freibekommen. Nägelkauend auf der Couch zu hocken und sich zu fragen, wie es bloß weitergehen soll, hat noch niemandem geholfen.

Jetzt sind Routinen wichtiger denn je. Klare Abläufe helfen uns, uns selbst und unseren Tieren Sicherheit zu geben. Denn auch unsere Tiere sind verunsichert. Sie spüren, das etwas anders ist als sonst, nehmen unsere Stimmung auf, bemerken, dass wir uns sorgen, traurig sind oder Angst haben.

Viele Hundehalter berichten in diesen Tagen, dass sich ihre Hunde auffällig benehmen. Manche bellen mehr als sonst, sind wachsamer, misstrauischer, hören sprichwörtlich die Flöhe husten. Andere verkriechen sich, wollen gar nicht mehr vor die Tür. Wieder andere reagieren aggressiv, dünnhäutig, ressourcenorientierter. Das ist völlig normal.

Sie sind gestresst, genau wie wir auch. Was Hund und Mensch jetzt brauchen, ist Zusammenhalt, nicht noch ein Schlachtfeld. Anstatt sich also gegenseitig zu tyrannisieren, sollte jetzt besonderen Wert auf entspannte Spaziergänge gelegt werden. Schöne, entspannte Spaziergänge. Kein Hinter-sich-Herschleifen, „Los, mach schon, ich hab’s eilig, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“ Jetzt, wo wir ohnehin per Gesetz dazu verdonnert sind, einen Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern einzuhalten und unseren Hunden dadurch endlich diese erzwungenen Sozialkontakte erspart bleiben, ist die perfekte Zeit, auch das Handy in der Tasche zu lassen und sich – nicht zuletzt zum Wohle der eigenen psychischen Gesundheit – mal voll und ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. So wie es unsere Hunde jede Minute ihres Lebens tun. Es könnte die Gelegenheit sein, sich endlich einmal mit dieser vielzitierten Bindung zu seinem Hund zu beschäftigen. Gemeinsam schöne Momente erleben. Dafür muss man gar nicht viel tun. Einfach mal eine Tüte mit Leckerchen oder das Lieblingsspielzeug mitnehmen und kleinere Trainingseinheiten in den täglichen Spaziergang einbauen (natürlich nur da, wo ihr ungestört seid und dein Hund nicht sämtlichen anderen Reizen ausgesetzt ist!).

Du könntest zum Beispiel mal folgendes ausprobieren.

  • Aufmerksamkeit:
    Den meisten Hunden reicht wahrscheinlich schon das verräterische Rascheln der Leckerchentüte, um Herrchen und/oder Frauchen seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn man es schafft, dieses Geräusch mit einem weiteren Laut oder Signal zu koppeln – bei uns ist es beispielsweise das „Kussgeräusch“ – hat man innerhalb weniger Tage einen exzellenten Marker geschaffen, der einem im Alltag in so vielen Situationen nützlich sein kann. Praktisch ein „Guck mich an“ oder „Augen zu mir“. Ein Signal, das unseren Hund dazu bringen soll, uns anzuschauen, damit wir ihn zum Beispiel abrufen oder von seinem Erzfeind ablenken können.
  • Sitz, Platz, Steh, Fuss
    Es sind die Klassiker der Hundeerziehung. Man kann sie bis zum beidseitigen Erbrechen von Hund und Halter durchexerzieren oder man kann sie immer mal wieder in kleinen Dosen in den täglichen Spaziergang einbauen. Voraussetzung hierfür sind eine positive Grundstimmung und eine erfolgsorientierte Vorgehensweise. Soll heißen: Wir wollen, dass unser Hund die Trainingseinheit mit uns genießt und mit einem Erfolgserlebnis aus der ganzen Sache hervorgeht. Die Übung sollte also so aufgebaut sein, dass dein Hund sie auch wirklich schaffen kann und versteht, was du von ihm möchtest. Kleinere Einheiten von wenigen Minuten reichen völlig, um die grauen Zellen von Hund und Mensch wieder ein wenig auf Trab zu bringen. Wichtig dabei: Es geht darum, sich über Erfolge zu freuen, anstatt sich darüber zu ärgern, was noch nicht optimal klappt. Lernen ist ein Prozess. Umso mehr Spaß dein Hund an euren kleinen Trainingseinheiten hat, umso schneller und bereitwilliger wird er mit der Zeit auch die etwas schwierigeren Anforderungen meistern.
  • Leckerchen werfen oder verstecken
    Nasenarbeit ist eine wunderbare Möglichkeit, unsere Vierbeiner ohne viel Aufwand zu beschäftigen. Warum also nicht einmal ein Leckerchen den Weg entlangrollen und den Hund es einfangen lassen? Diejenigen, die direkt noch ein wenig Impulskontrolle trainieren wollen, können ihren Hund auch durch ein „Sitz“, „Steh“ oder „Bleib“ bei sich halten, das Leckerchen werfen und den Hund erst durch ein weiteres Signal, zum Beispiel ein „Such“ freigeben. Auch hier reichen wenige Minuten, um unsere Fellnasen vollkommen auszulasten. Nasenarbeit ist sehr anstrengend und die beste Voraussetzung für einen tiefen Mittagsschlaf.
  • Rückruf und Apportieren
    Für diejenigen, die ihren Hund bedenkenlos freilaufen lassen können, hilft ein regelmäßiges Training des Rückrufs, die Aufmerksamkeit hochzuhalten und für den „Ernstfall“ gewappnet zu sein. Wann immer dein Hund lernt, dass es sich für ihn lohnt, zu dir zu kommen, wenn du ihn rufst, wird ihn darin festigen, es auch dann zu tun, wenn ein anderer Reiz verführerisch groß ist.
    Und auch Apporierübungen müssen nicht in stoischem Bällchenschmeißen oder Stöckchenholen verkümmern. Statt deinen Hund wie einen Geisteskranken jedem Ball oder jedem Stöckchen hinterherhetzen zu lassen, eignen sich Apportierübungen wunderbar, die Impulskontrolle zu festigen und deinem Hund beizubringen, dass nicht alles, was sich schnell bewegt auch gejaggt werden darf oder ihm gehört! Natürlich sollte man auch hier sehr kleinschrittig vorgehen und keine Dinge von seinem Hund erwarten, die er nach aktuellem Trainingsstand einfach nicht schaffen kann. Darum gilt auch hier: Lieber kleine Erfolge feiern als gefrustet die Flinte ins Korn zu schmeißen.

Vielleicht wirst du dich wundern, wie stark sich so ein paar Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit, wahre Freude und gemeinsame Erfolge auf die Beziehung zu deinem Hund auswirken werden. Wie eng ihr zusammenwachsen werdet. Wie gut ihr euch fühlen werdet. Du wirst die Chance haben, deinen Hund als das zu sehen, was er ist: Ein fühlendes, hochsoziales Lebewesen, das genau wie du nach Wertschätzung und Anerkennung sucht. Kein Accessoire, das du dir einmal angeschafft hast, weil du dachtest, es wäre doch ganz chic, einen Hund zu haben.

Gerade in solch schwierigen Zeiten können wir so viel von unseren Hunden lernen. Und uns der Eigenschaften besinnen, die wir bei ihnen immer wie selbstverständlich voraussetzen:

  • Geduld
  • Frustrationstoleranz
  • Vertrauen
  • Rücksicht
  • Freundlichkeit

Gerade jetzt, wo wir uns selber plötzlich nie dagewesenen Einschränkungen ausgesetzt sehen, merken wir vielleicht auch, wie schwierig es ist, diese Tugenden – gerade unter Belastung – aufrecht zu erhalten.

Und vielleicht – wenn es richtig gut läuft – lernen wir ja sogar noch etwas ganz anderes. Wie wäre es zum Beispiel mit ein wenig Ehrfurcht? Ehrfurcht vor der Natur, vor seinen Geschöpfen und jeglichem Leben auf diesem Planeten. Ehrfurcht vor unserer eigenen Vergänglichkeit. Vielleicht wird uns endlich einmal klar, dass auch wir nur eine kleine Spezies sind, mit der es ganz schnell vorbei sein kann, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Vielleicht bringt uns diese Krise endlich einmal zurück auf den Boden der Tatsachen. Dass wir eben nicht alles und jeden beherrschen können, wie es uns gerade passt. Dass wir auch mal verzichten sollten. Dass wir unseren Blick wieder öffnen für die Dinge, die rechts und links von uns geschehen, statt uns immer nur auf uns selbst und unseren Vorteil zu konzentrieren. Rücksicht und Bescheidenheit sind Eigenschaften, denen in unserer modernen Welt kaum mehr Bedeutung zugeschrieben wird. Uns ist egal, wo unser Essen herkommt, unsere Kleidung, unsere Handys. Wir haben uns so verloren in der Bequemlichkeit der modernen Wohlstandsgesellschaft, dass wir den Blick für Richtig und Falsch oftmals bereits völlig verloren haben. Es wird Zeit, dass wir aufwachen und etwas ändern.

Ich weiß, das ist ein naiver Wunsch. „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ Das hat schon Mahatma Gandhi erkannt.

Aber manchmal sind es ja auch die ganz kleinen Dinge, die jeder einzelne von uns tun kann. Kleine, ganz persönliche Entscheidungen, die irgendwann Großes bewirken. So wie ein klitzekleiner Virus, der mal eben unsere ganze Welt verändert hat. Zumindest für den Moment.

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Avatar Chris sagt:

    In Bayern wahren sogar die Baumärkte geschlossen. Ich muss sagen die Krise war und ist für uns nicht so schlimm. Wir leben auf dem Dorf in Baden Würtenberg. Da wir ein großes Haus und einen noch größeren Garten haben, verbringen wir viel Zeit im Garten. Durch Kurzarbeit haben wir viel Zeit, die wir meist zum entspannen nutzen. Unser Leben ist zwar auch sehr eingeschränkt, aber ich glaube auf dem Dorf lässt es sich besser aushalten als in der Großstadt. Da unser Haus uns gehört zahlen wir keine Mitte, da tut es uns nicht weh wenn mehrere Monate nur 60% des Lohnes auf unser Konto kommt. Mir tun die Menschen leid die jetzt Geldprobleme bekommen, denn nicht jeder kann mit 60% Leben. Leider kenne ich einige Menschen aus der Großstadt die mit nur 60% ihres Lohnes nicht mal Mitte zahlen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.