Die Angstaggression

Hund zeigt aggressives Verhalten aus Unsicherheit
Geduckte Haltung, der Körperschwerpunkt liegt hinten, die Ohren sind angelegt: Dieser Hund droht defensiv.

Ein typisches Beispiel für angstaggressives Verhalten bei Hunden ist das „Pöbeln“ an der Leine.

Ein Beispiel:
Du läufst mit deinem Hund die Straße entlang. Von weitem siehst du einen anderen Hundehalter mit seinem Vierbeiner näherkommen. Dein Hund reagiert sichtlich nervös, stellt Ohren und Rute auf, fängt an zu tänzeln. Beide Hunde sind angeleint und der Weg, auf dem sie sich gleich begegnen werden, ist nicht sonderlich breit. Du nimmst deinen Hund kurz und willst strammen Schrittes an dem anderen vorbei. Als ihr auf gleicher Höhe seid, hält es dein Hund nicht mehr aus und schnellt mit scharfem Gebell in Richtung des Entgegenkommenden.

Was ist passiert?

Dein Hund hatte offensichtlich einigen Stress mit der Situation. Er war gezwungen unter eingeschränkter Bewegungsfreiheit direkt auf einen fremden Artgenossen zuzulaufen. Wir Menschen machen uns darüber zwar keine Gedanken, aber für unseren Hund ist eine solche Situation mehr als unangenehm. Ein Hund würde nämlichen niemals schnurstracks auf einen anderen Hund zulaufen, es sei denn er wollte ihn bedrohen. Und selbst wenn der andere Hund das „Direkt-auf-ihn-zulaufen“ nicht als Bedrohung empfindet, so ist es doch zumindest sehr unhöflich. Im Grunde sagt dein Hund dem anderen: Ich will das hier eigentlich gar nicht, aber ich komm hier nicht weg. Bleib mir bloß vom Leib!

Was kannst du tun, um das aggressive Verhalten deines Hundes zu verhindern?

Auf Aggression auf keinen Fall mit Gegenaggression reagieren!

Das Wichtigste bei aggressivem Verhalten deines Hundes ist es, auf keinem Fall selber mit Aggression zu reagieren. Damit hilfst du deinem Hund kein bisschen. Im Gegenteil: du versetzt ihn noch zusätzlich unter Stress und zwingst ihn nicht zuletzt, an zwei Fronten zu kämpfen: einmal gegen den ursprünglichen Auslöser und dann auch noch gegen dich!

Anstatt deinen Hund also anzubrüllen oder vorsorglich schon einmal zu maßregeln, wenn du das Gefühl hast, die Situation könnte gleich kippen, bleib ruhig und signalisiere so deinem Hund, wie du die Situation meisterst: Nämlich in dem du ganz cool bleibst. Ruhiges Zureden und die Belohnungen mit etwas ganz furchtbar leckerem, wenn dein Hund sich auf dich statt auf den Reiz konzentriert, wirken Wunder. Wenn man es dann auch noch schafft, in einem Abstand an dem anderen Hund vorbeizugehen, der für den eigenen viel weniger stressig ist als die direkte Konfrontation, hat man so gut wie gewonnen.

Wie groß dieser Abstand sein muss, ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Unser Pubertier brauchte in seiner Hochphase gut und gerne mal 10 Meter. Diese Distanz kann man dann nach und nach wieder verringern.

Und wenn gar nichts anderes hilft: Umdrehen!

Ja, ich meine es ernst: Bevor du einen unschönen Zwischenfall riskierst, dreh dich um, bieg in eine Abzweigung ein und lass die „Gefahr“ vorüberziehen. Dein Hund wird dir dankbar sein! Und er lernt, dass du ihn nicht jeder gefährliche Situation wahllos auslieferst, sondern dass du für ihn sorgst und ihn beschützt. Je öfter dein Hund und du es auf diese Weise schafft, ohne jegliche Zwischenfälle an fremden Hunden vorbeizugehen, desto mehr Vertrauen wird dein Hund in dich, in sich selbst und in die Situation legen und keinen Grund mehr haben, sich wie ein Berserker zu benehmen.

Hinweis:
Dieses Beispiel mit dem entgegenkommenden Hund lässt sich übrigens ohne weiteres auch auf fremde Menschen übertragen. Nichts ist unangenehmer und vermittelt einen denkbar schlechten Eindruck als ein Hund, der fremde Menschen ausbellt oder attackiert. Auch hier hilft fürs erste nur Abstand, Ablenkung und positive Stimmung. An dem Hund rumzureißen, ihn anzubrüllen und für die Umstehenden den dicken Max zu markieren, der sich ein solches Verhalten ganz bestimmt nicht von seinem Vierbeiner gefallen lässt (Stichwort: Profilneurose), ist nicht zielfördernd! Tu dir selber den Gefallen und sei selbstbewusst genug, dich nicht zu einem solchen Verhalten hinreißen zu lassen. Auf Dauer zerstörst du damit nur das essentiell wichtige Vertrauensverhältnis zu deinem Hund. Und Ohne Vertrauen geht leider gar nichts.

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